Geständnisse eines "Wahnsinnigen" Taoisten

von Bill Bunting
übersetzt von Jens-Wolfhard Schicke

Ich bin im Ego gefangen, unfähig, das ware Selbst zu erkennen, und gefesselt durch alle Verlangen des Körpers und des Geistes, die die Welt mir bietet. Die Enspannung und der Frieden des Tao wird durch die wütende Flut des Leidens und der Gefühle zunichte gemacht und ich bin machtlos das kleine Schiff meiner Spritualität zu steuern, als es durch die Wellen, die ich selbst geschlagen habe, gegen die Felsen des Konflikts geschleudert wird. Der Grund, warum ich kein Zen-Meister bin, ist, daß ich weiß, daß ich keiner bin.

Wie kann ich mich selbst Lehrer nennen, wenn ich meiner eigenen Lehre nicht folgen kann? Wie werde ich das taoistische Äquivalent zu Saul von Tarsus, "König aller Sünder"? Wie kann ich erwarten, daß andere ihre Gedanken und Gefühle ruhig halten, wenn ich selbst brenne? Wie kann ich einen Weg des Friedens lehren, wenn Wut mein Herz erfüllt.

Das Tao ist unendlich mysteriös und allumfassend. Sowohl in meinem Frieden, wie in meinem Konflikt bin ich meiner Natur treu und aus meinen Niederlagen entstehen neue und manchmal tiefe Lehren. Wie der Mond, der nur das Sonnenlicht spiegelt, bin ich nichts als ein Spiegelbild, ein Geist durch einen nebeligen Spiegel betrachtet, meines wahren Selbst. Die Ruhe kehrt zurück, das Fenster öffnet sich und die Zärtlichkeit des Tao erfüllt meine Sinne.

Ich werde daran erinnert, daß wir weder gerichtet noch verdammt sind, wir sind nur. In diesem Moment existieren wir, im nächsten nicht. Beide Momente sind im und aus dem Tao.

Wird der Übergang, der Tod heißt, mir Schmerzen bereiten? Ich weiß es nicht. Werde ich zu einem neuen Leben erwachen, oder zu Nicht-Existenz, und wenn zu Nichts, bin ich dann zum Tao zurückgekehrt?

Ich habe hundert Leben gewartet, um ein geflüstertes "Ich liebe dich" zu hören, von hundert Leben zuvor, als die Worte die Wahrheit waren. Ich habe Leben gewartet um friedlich in den Armen jenes Menschen einzuschlafen, der diese Worte flüsterte, in Frieden und Liebe.

Ich meditiere, ich bin leer. Ich atme ein und aus, aber da ist keine Bewegung, nur die Stille.